Der Unternehmensjurist

Andreas Gersbach
von der Crone Rechtsanwälte AG (Partner)
Rechtsanwalt/-anwältin (eingetragen ins Anwaltsregister)
Samariterstr. 5
8032 Zürich

SKUANI Interview

Der Unternehmensjurist

SKUANI Interview mit Dr. Andreas Gersbach
RA Dr. iur., LL.M., Partner von der Crone Rechtsanwälte

Herr Gersbach, was hat Sie bewogen, zusammen mit Robert Gallmann das Buch „Der Unternehmensjurist“ herauszugeben?

Robert Gallmann und ich hatten früher schon einmal eine gemeinsame Publikation verfasst, das „Repetitorium Wettbewerbsrecht“ beim Orell Füssli Verlag. Diese Zusammenarbeit war sehr produktiv und machte auch Spass. Die Idee zum „Unternehmensjuristen“ wurde dann im Jahr 2011 bei einem Fachanlass des Vereins Schweizer Unternehmensjuristen geboren. Im informellen Gespräch wurde die Frage diskutiert, ob es ein Buch gäbe, das einen umfassenden, praxisorientierten Überblick über die in-house Tätigkeit offenbart. Es gab es nicht. Wir erkannten das Bedürfnis nach einem solchen Werk und sprachen kurzerhand beim Schulthess Verlag vor. Zu unserer Freude war dieser von der Idee sehr angetan!

Bereits früh hatten wir das Konzept des Buches klar vor Augen: Das Werk sollte:

  • Alle für einen Unternehmensjuristen relevanten Themenkreise umfassen;
  • alle wichtigen rechtlichen Grundlagen, aber auch Praxistipps für den Anwender, enthalten;
  • dabei aber grundsätzlich bleiben und die spezifische Fachliteratur mit ihrem wissenschaftlichen (Fussnoten-) Apparat weder ersetzen wollen noch können (daher enthält das ganze Werk über rund 800 Seiten keine Fussnoten – ein Umstand, der zu längeren Korrespondenzen mit ein paar unserer Gastautoren führte);
  • und insbesondere auch Unternehmensjuristen quer über alle Branchen ein Forum für Praxisbeiträge bieten.

Entsprechend ist das Buch nach Fachbereichen in zwanzig Kapitel gegliedert; und jedes Kapitel wiederum nach dem gleichen Prinzip in Übersicht, Grundlagen, Golden Rules, Praxisbeiträge von Gastautoren und Literaturliste unterteilt. Ich kann in diesem Zusammenhang noch erwähnen, dass Robert Gallmann und ich nicht nur Herausgeber dieses Werks, sondern auch Co-Autoren sind: Wir haben – abgesehen von wenigen fachspezifischen Ausnahmen wie etwa Steuerrecht – in jedem Kapitel den allgemeinen rechtlichen Teil sowie die Checklisten, Do’s and Dont’s etc. selber verfasst.

Denken Sie, dass eine Verlagerung stattfindet, wonach Unternehmen vermehrt eigene Rechtsabteilungen aufbauen und dadurch die Mandatierung externer Experten seltener wird?

Es gibt nach meiner Erfahrung gegenläufige Tendenzen:

Grössere Unternehmen mit Sitz in der Schweiz bauen eindeutig ihre internen Rechts- und Compliance-Abteilungen aus; und zwar in allen Branchen und nicht nur im Finanzsektor, wo diese Tendenz als Folge der zunehmenden regulatorischen Anforderungen besonders stark zu beobachten ist.

Umgekehrt setzen kleinere Unternehmungen und Schweizer Ländergesellschaften von internationalen Konzernen verstärkt auf das Outsourcing von gewissen Dienstleistungen, darunter auch den Bereich „Legal“. In solche Konstellationen kommen externe Anwälte eher wieder mehr zum Zuge.

Zudem sind vermehrt hybride Modelle zu beobachten, wie z.B. zeitlich befristete „Secondments“ von Anwälten aus einer Kanzlei im Rechtsdienst eines grossen Klienten, oder regelmässige In-House-Einsätze eines externen Anwalts bei einem Unternehmensklienten, auf Mandatsbasis.

Verändert die Digitalisierung im Rechtsberatungsbereich die Art und Weise wie Unternehmen zukünftig mit externen Experten zusammenarbeiten?

Es ist sicher so, dass Unternehmen für weitgehend standardisierte Dienstleistungen kaum mehr auf externe Anwaltskanzleien zurückgreifen. Die Rolle insbesondere des externen Experten bewegt sich tendenziell hin zu derjenigen eines Sparring Partners, der neben sehr guten Rechtskenntnissen in seinem Fachbereich auch strategische und taktische Inputs einbringen soll.

Nach wie vor sehr gefragt und von der Digitalisierung bisher wenig tangiert sind externe Experten mit spezifischem Fachwissen, wie beispielsweise im Übernahme- oder im Marken- und Patentrecht. Weiterhin besteht bei Unternehmen – sogar mit zunehmender Tendenz – ein Bedürfnis nach Vertretung im ganz klassischen Bereich des Rechtsanwalts, der Prozessführung (Litigation).

In den angelsächsischen Gebieten haben der Preisdruck und die Erwartungshaltung betreffend Effizienz bei der Mandatsvergabe an externe Experten stark zugenommen. Wo stehen wir bei dieser Entwicklung in der Schweiz?

Der Preisdruck ist auch in der Schweiz stärker geworden, hat aber (noch) nicht die Ausmasse erreicht wie im angelsächsischen Bereich oder auch in Deutschland.

Allerdings sind die Haltungen manchmal etwas widersprüchlich: Während bei der Mandatsvergabe ein einseitiger Fokus auf dem Kostenelement liegt, ist in der Folge dann oftmals eine wenig effiziente Führung und Instruktion des externen Anwalts durch das Unternehmen festzustellen. So wird der externe Experte – nicht selten wegen interner Ressourcen-Knappheit beim Klienten – auch für absolute Standard-Dienstleistungen oder gar für eher administrative Tätigkeiten beigezogen; oder er muss sich beispielsweise in Litigation-Fällen den Sachverhalt aufwändig selbst erarbeiten, weil sich unternehmensintern niemand zu einer stringenten Instruktion berufen sieht.

Die Compliance-Anforderungen an Unternehmen sind in den letzten Jahren vor allem im Finanzsektor deutlich gestiegen. Haben wir hier die Spitze erreicht? Wie sieht es in anderen Branchen aus?

Im Finanzsektor ist wohl in der Tat ein Peak erreicht. In anderen Bereichen, insbesondere im Medizin- und im Konsumgüterbereich, ist wohl noch mit zusätzlicher Regulierung zu rechnen. Man denke etwa an die zunehmend detaillierten Vorschriften zur Konsumenteninformation oder an die weltweit festzustellende Tendenz zur Einschränkung der Bewerbung von Produkten in den Bereichen Tabak und Alkohol. Hier werden wohl weitere Kategorien von Lebensmitteln folgen (Stichworte Zucker, Fett usw.).

Welche Eigenschaften zeichnet einen guten Unternehmensjuristen aus?

Sehr gute juristische Fachkenntnisse bei gleichzeitigem Überblick über alle relevanten Fachbereiche („Generalist“), Vertrautheit mit dem operativen Geschäft „seines“ Unternehmens, strategischer Weitblick und eine Fähigkeit zur Einschätzung von Prioritäten und Risiken und last but not least eine offene und zugängliche Art – schliesslich soll er als Business Partner des operativen Geschäfts wahrgenommen werden (und sich als solcher auch durchsetzen), und nicht als „graue Eminenz im Stillen Kämmerlein.“

Sehr geehrter Herr Gersbach, vielen Dank für dieses interessante Gespräch.


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Kommentare

2016.04.04 Markus Raimer

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