Digitale Transformation im Treuhandbereich

Adrian Tschanz
Tschanz Treuhand AG
Treuhänder/-in, Dipl. Treuhandexperte/-in, Steuerberater/-in, Unternehmensberater/-in
Bahnhofstrasse 7
3250 Lyss

SKUANI Interview

Digitale Transformation im Treuhandbereich

SKUANI Interview mit Adrian Tschanz
Dipl. Treuhandexperte und Geschäftsführer/Inhaber von Tschanz Treuhand AG

Inwiefern verändert die zunehmende Digitalisierung das Geschäftsmodell der (KMU)-Treuhänder?

Ich sehe drei grundlegende Veränderungen; erstens die Automatisierung von repetitiven Tätigkeiten wie die Belegverarbeitung, gefolgt von steigendem Beratungsbedarf und schließlich einer Veränderten Kommunikation und Interaktion mit unseren Kundinnen und Kunden. Primäre Veränderung wird der Wegfall von repetitiven manuellen Arbeiten sein wie insbesondere kontieren und buchen der einzelnen Geschäftsfälle. Aber auch im Bereich der Lohnadministration oder dem Ausfüllen der verschiedenen Deklarationen zu Handen der Behörden werden elektronische Prozesse unseren Arbeitsalltag stark verändern. Selbst wiederkehrende Jahresabschlussbuchungen können in Zukunft mit entsprechender Parametrisierung des Systems und künstlicher Intelligenz teilautomatisiert werden.

Der klassische KMU-Treuhänder (heute häufig mehr Buchhalter als Berater) wird dadurch mehr und mehr zum Navigator und Sparringpartner für die Unternehmerin und den Unternehmer. Konkret wird der Anteil an Beratungsstunden zunehmen. Dabei beginnt die Beratung bereits bei der Plausibilisierung und Analyse der von der Software aufbereiteten Jahresrechnung. Die Fähigkeit, einen Sachverhalt mit Weitsicht zu beurteilen und auf der Basis dieser Analyse relevante Erkenntnisse für den Unternehmer abzuleiten werden noch mehr an Bedeutung gewinnen. Durch die zunehmende Komplexität übernehmen wir die individuelle Informationstriage zu Handen unserer Kunden.

Gleichzeitig wird sich die Art, wie wir mit unseren Kunden, Geschäftspartner und weiteren Anspruchsgruppen kommunizieren, weiter verändern. Gerade die Interaktion mit den Kundinnen und Kunden kann mit technischen Hilfsmitteln wie Dropbox, Teamviewer, Skype usw. auch auf Distanz d.h. ortsunabhängig erfolgen ohne dabei auf den persönlichen Bezug (Face2Face) verzichten zu müssen. Auch die Datenquellen für die Verarbeitung ändert sich. So gibt es immer mehr Tools, die das mobile Scanning mittels Smartphone ermöglichen und direkt mit der ERP-Software kommunizieren.

Wie kann ein Treuhandunternehmen bestmöglich auf diesen Trend reagieren?

Wer als Treuhänder in zehn Jahren noch am Markt sein will, muss heute die Augen und Ohren offenhalten. Ich bin überzeugt, dass DIE Lösung, noch nicht auf dem Markt ist. So erachte ich alle Scanning-Lösungen als Zwischenlösungen. Die ersten First-Mover sind noch am Experimentieren und Testen. Aber dies ist wichtig, um rasch zu lernen. Mit dem neuen Zahlungsverkehrsstandard 20022 werden sich ab 2018 neue Möglichkeiten der Systemintegration öffnen. D.h. Payment-Lösungen sind mit allen Devices und ERP-Lösungen verbunden, insbesondere werden sich Cloud-Lösungen für Buchhaltung und Lohnadministration in diese Richtung entwickeln. Die Verantwortlichen von Treuhandunternehmen müssen also wachsam sein, den Markt verfolgen, mit kleinen Projekten an der digitalen Zukunft arbeiten. Da gehören im Sinne von Try & Error auch Rückschläge dazu – nicht gerade die Lieblingsdisziplin von uns Treuhänder. Und sie müssen ihre Mitarbeitenden auf die bevorstehenden Veränderungen sensibilisieren, denn diese müssen (bereits heute) offen sein für neue Arbeitsprozesse und neue Formen der Kundeninteraktion. Treuhänder dürfen also nicht nur reagieren, sondern müssen bereits heute agieren.

Welches sind die zentralen Bedürfnisse der jungen Treuhandkunden?

Junge Treuhandkunden wollen eine professionelle Dienstleistung zu einem fairen Preis-Leistungsverhältnis. Dabei muss die Dienstleistung nicht grundsätzlich gratis sein. Sie zerlegen aber die Gesamtleistung des Treuhänders und gewichten die verschiedenen Teilleistungen. Das Verarbeiten von Belegen sollte möglichst gratis sein, da sie keine wesentliche Wertschöpfung in dieser Arbeit sehen. Es sind schlichtweg einfach Kosten, die ein Unternehmer möglichst tief halten will. Hingegen können Sie (meistens) sehr wohl beurteilen, was eine seriöse Beratung und eine individuelle Betreuung wert ist. Darin sehen sie eine Investition zur Optimierung der eigenen Finanzsituation und des künftigen unternehmerischen Erfolgs. Kurz, sie sind differenzierter und verlangen Transparenz.

Wie sehen Sie in Zukunft die Zusammenarbeit von Experten aus den Bereichen Treuhand, Rechts-, Steuer- und Unternehmensberatung?

Selbst diplomierte Steuerexperten mit juristischer Ausbildung beginnen immer mehr, sich auf einzelne Teilgebiete zu spezialisieren. Da stellt sich die Frage, ob für den Treuhänder wie man ihn heute kennt, in Zukunft noch Bedarf vorhanden ist. Ich denke, dass es unsere Gilde in zehn Jahren in der heutigen Form nicht mehr geben wird. Wir werden wie gesagt zum Navigator und Sparringpartner im Dienste unserer Kundinnen und Kunden. Wir sind ihre Vermittler, Fachübersetzer und Koordinationsstelle – wir sind ihre treue Hand. In der Konsequenz wird die Zusammenarbeit im Netzwerk mit Spezialisten überlebensnotwendig. Daher engagiere ich mich auch in unserem Beraternetzwerk Swissconsultants.ch. Hier führen wir bereits heute gemeinsame Aus- und Weiterbildungsseminare durch. Verteilt über mehrere Kantone haben wir z.B. im Bereich Steuerrecht einfachen und raschen Zugriff auf top ausgebildete Steuerberater in den jeweiligen Kantonen.

Beschreiben Sie uns kurz Ihren Tagesablauf als Experte im Jahr 2021?

In vier Jahren wird der Tagesablauf noch nicht völlig anders sein als heute. Sicher werde ich bei Arbeitsbeginn in unseren Räumlichkeiten immer noch freundliche und kompetente Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter begrüßen. Vermutlich wird deren Ausbildungsniveau im Durchschnitt noch etwas höher sein. Durch den Einsatz von cloudbasierten Plattform werde ich weniger E-Mails in der Inbox haben, da die Kunden die Dokumente direkt in ihr Dossier kopieren können. Steuerverfügungen werden direkt im Tax-Portal der Steuerverwaltung bereitgestellt und per SMS anvisiert. Auf der rechten Seite des Bildschirms zeigt es mir „17 neue Dokumente auf Kunden-Server“ an. Durch den personalisierten Workflow zeigt es aber mir nur die für mich relevanten Dokumente als „neu“ an. Nach einem digitalen Vormittag habe ich am Nachmittag Kundenbesprechungen. Eine bei mir im Büro in Lyss, eine extern beim Kunden inkl. Besichtigung der neuen Produktionsmaschine und gegen Abend noch eine Video-Konferenz mit einer Startup-Gründerin in Bezug auf steuerrechtliche Fragen beim Betrieb einer innovativen E-Commerce-Plattform. Danach freue ich mich, auf ein gemeinsames Nachtessen mit einem feinen Glas Wein zusammen mit meiner Frau.

Sehr geehrter Herr Tschanz, vielen Dank für dieses interessante Gespräch.


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Kommentare

2016.04.04 Markus Raimer

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