Open Data / My Data

André Golliez
Golliez Open Data Consulting
Andere
Im Ebnet 58
8700 Küsnacht

SKUANI Interview

Open Data / My Data

SKUANI Interview mit André Golliez
Dipl. Informatik-Ing. ETH, Golliez Open Data Consulting

Herr Golliez, was ist der Unterschied zwischen Open Data und My Data?

Open Data sind in der Regel offen zugängliche und frei nutzbare Daten ohne Bezug zu einer Person. My Data sind diejenigen Daten, die sich auf meine Person beziehen. Ein Bürger hat sowohl Anspruch auf diejenigen Daten, die er mit seinen Steuern mitfinanziert hat (Open Government Data) als auch auf eine Kopie der Daten, die sich auf ihn beziehen (My Data).

Bestehen konkrete Bestrebungen, Verwaltungsdaten, Behördendaten, Government Daten und Daten des öffentlichen Sektors den Bürgern und Unternehmen online zur Verfügung zu stellen?

Diese Bestrebungen gibt es bereits seit längerer Zeit. In den USA begann die Stadt San Francisco bereits 2005 Daten der öffentlichen Verwaltung als Open Data zu publizieren, 2009 folgte die US-Regierung und ab 2010 Grossbritannien und weitere Länder. Heute publizieren über 100 Länder und zahlreiche regionale und lokale Verwaltungen sowie internationale Organisationen wie die Weltbank oder supranationale Institutionen wie die EU in grossem Umfang Open Government Data. In der Schweiz lancierte 2012 die Stadt Zürich das erste Open Data Portal und im Herbst 2013 folgte der Bund mit einem Pilotprojekt. Heute sind über das Portal opendata.swiss über 2000 Datensätze der öffentlichen Verwaltung in der Schweiz als Open Data verfügbar siehe (https://opendata.swiss/de/). Speziell zu erwähnen ist das Open Data Plattform öV Schweiz (https://opentransportdata.swiss/de/), über welche seit Dezember 2016 Fahrplan- und andere Daten des öffentlichen Verkehrs offen und frei zugänglich sind.

Welche bedeutenden Entwicklungen sind im Parlament zum Thema Open Data zu erwähnen?

Im Nationalrat wurden ab 2011 verschiedene Vorstösse zu Open Government Data eingereicht und in den folgenden Jahren angenommen. Aufgrund dieser parlamentrischen Aufträge hat der Bundesrat im April 2014 eine Open Government Strategie verabschiedet und das Schweizerische Bundesarchiv mit der Umsetzung beauftrag. In der im April 2016 verabschiedeten Strategie für eine Digitale Schweiz bestätigte der Bundesrat diesen Auftrag an das Bundesarchiv in Richtung einer Nationalen Dateninfrastruktur.

Was versteht man unter „Open Research“ und „Open Access“? Gibt es bereits konkrete Anwendungsfälle im Rechts-, Steuerrechts- oder Treuhandbereich?

Unter „Open Access“ wird der freie und kostenlose Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen verstanden. Es gehört mittlerweile zur anerkannten Politik in der öffentlichen Forschungsfinanzierung, dass daraus resultierende Publikationen unmittelbar oder nach einer bestimmten Frist frei zugänglich gemacht werden. „Open Research Data“ zielt auf die Publikation der Daten, welche der Forschung zugrunde liegen. Diese Publikation dient der Wiederverwendung der Daten in anderen Forschungsprojekten und insbesondere der Überprüfung der Forschungsresultate durch Dritte. Im Rahmen des EU-Forschungsprogrammes Horizon 2020 sind die Forschenden in der Regel zur Publikation ihrer Daten verpflichtet. In der Schweiz arbeitet der Schweizerische Nationalfond an einer ähnlichen Regulierung. Konkrete Anwednungsfällefür Open Research Data im Rechts-, Stuerrechts- oder Treuhandbereich sind mir leider noch nicht bekannt.

Wo stehen wir im Bereich My Data? Haben Datenbesitzer oder Datenbetroffene uneingeschränkt Zugang zu ihren persönlichen Daten?

Ich bevorzuge den Begriff „Datenbetroffener“ oder einfach „betroffene Person“, da der Begriff „Dateneigentum“ irreführend ist. Meine Bankdaten beziehen sich zwar auf meine finanziellen Transaktionen, aber diese werden von der Bank in meinem Auftrag mit eigenen Systemen abgewickelt – wem „gehören“ nun diese Daten? Das Konzept „My Data“ zielt daher auf den Begriff der Kopie: eine betroffene Person soll das Recht haben, eine Kopie derjenigen Daten zu erhalten, welche sich auf diese Person beziehen. Dieses Konzept findet sich unter der Bezeichnung „Datenübertragbarkeit“ im Artikel 20 der neuen EU-Datenschutzregulierung: „Die  betroffene  Person  hat  das  Recht,  die  sie  betreffenden  personenbezogenen  Daten,  die  sie  einem Verantwortlichen bereitgestellt hat, in einem strukturierten, gängigen und maschinenlesbaren Format zu erhalten, und sie hat  das  Recht,  diese  Daten  einem  anderen  Verantwortlichen  ohne  Behinderung  durch  den  Verantwortlichen,  dem  die personenbezogenen Daten bereitgestellt wurden, zu übermitteln (…)“ (Artikel 20, VERORDNUNG (EU) 2016/679 DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES vom 27. April 2016 zum Schutz natürlicher  Personen  bei  der  Verarbeitung  personenbezogener  Daten,  zum  freien Datenverkehr). In der Schweiz wurde dieses Thema bei der Revision des Datenschutzgesetzes, welches sich zurzeit in der Vernehmlassung befindet, zwar ausgeklammert soll aber im Rahmen der Umsetzung der Strategie für eine digitale Schweiz behandelt werden. Ein Postulat für das Recht auf Kopie wurde im letzten Jahr an den Bundesrat überwiesen.

Bestehen wirtschaftliche Opportunitäten für Unternehmen bei der Sammlung, Strukturierung, Aufbereitung und Interpretation von Kunden- und Marktdaten (Stichwort „Big Data“)?

Das wirtschaftliche Potenzial datenbasierter Innovation und Dienstleistungen ist enorm und wurde bereits in verschiedenen Studien, u.a. von der OECD nachgewiesen. Globale Firmen wie Google, Amazon oder Ebay und insbesondere die Plattformen der „Sharing Economy“ wie Uber und Airbnb, sind der Beweis für diese Tatsache. Deren Geschäftsmodelle beruhen weitgehend auf der Sammlung. Strukturierung und Auswertung gigantischer Datenmengen, welche sie über ihre Kunden resp. Nutzer sowie aus dem offene Datenraum des World Wide Web beziehen. Schweizer Unternehmen kommen nicht darum herum, nicht nur ihre eigenen Datenbestände sondern die offen verfügbaren Datenschätze des Internet systematisch zu nutzen und im Gegenzug auch eigene Daten zu publizieren. Die Beherrschung der Big Data Technologien sowie der Daten-Fussabdruck, welchen eine Firma im Internet hinterlässt, wird in Zukunft über wirtschaftlichen Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Zentral ist dabei das Vertrauensverhältnis zu den Kunden, denen die Unternehmen einen fairen Deal für die Nutzung ihrer Daten anbieten müssen.

Sehr geehrter Herr Golliez, vielen Dank für dieses interessante Gespräch.


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Kommentare

2016.04.04 Markus Raimer

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